Poesis goes Silicon Valley

Eine Inspirationsreise in das Zentrum der Innovation

 

 

Vorarlbergs Wirtschaft ist stark, beständig und – wenn auch an manchen Ecken schon sehr innovativ – im Kern doch eher traditionell. Um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen allerdings auch funktionierende Systeme mit der Zeit gehen und auf aktuelle Trends reagieren. Bei den meisten unserer Kundenprojekte ist dieser Wille zur Weiterentwicklung sehr präsent und Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Big Data und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle gewinnen immer mehr an Bedeutung. Doch welches sind die Entwicklungen, die man nicht verpassen sollte, welche Bedingungen sollte man schaffen, um die Kreativität im Team anzuregen, Zusammenarbeit erleichtern und wie implementiert man diese erfolgreich? Um auf diese und viele weitere Fragen Antworten zu bekommen entschlossen wir uns, eine Lern- und Inspirationsreise zu unternehmen und von den Vorreitern zu lernen. Und wo entstehen mehr neue Unternehmen, innovative Produkte und Zukunftslösungen als im Silicon Valley. Mit einer tollen Gruppe an Interessierten und Wissbegierigen, machten wir uns auf den Weg in die Bay Area, wo sich die Headquarters von Google, Facebook und Co. befinden, und auch zukünftige Giganten - aktuell noch in Form von Start-ups – mit neuen Lösungen die Märkte erobern.

 

Während fünf Tagen trafen wir in San Francisco, Palo Alto und Mountain View verschiedenste Persönlichkeiten und Unternehmen, die alle spannende Ratschläge und Insights aus ihren eigenen Erfahrungen im Silicon Valley mit uns teilten. Eine Einführung in diese vielfältige Woche bekamen wir von Open Austria. Diese offizielle Initiative Österreichs hat sich zum Ziel gesetzt, österreichische Gründer und Innovatoren mit dem Silicon Valley zu vernetzen. Durch das Besuchen ihres Standortes in San Francisco kamen wir so auch erstmals diese Woche mit einem wichtigen Konzept im Silicon Valley in Kontakt – Coworking Spaces. In solchen Bürogebäuden haben unterschiedlichste Organisationen und Personen ihre Arbeitsplätze, können aber durch die gemeinsamen Räumlichkeiten und die offene Kultur leicht in Kontakt treten, was den Austausch fördern und die Kreativität anregen soll. Open Austria arbeitet beispielsweise im Coworking Space Galvanize. Das Besondere an dieser Community ist, dass auch Studiengänge in Web Development und Data Science angeboten werden – beides wichtige Skills für heutige Start-ups.

 

Eine sehr spannende Methode für Produkt- und Geschäftsmodellentwicklung stellte uns Justin Lokitz von Business Model Inc. anhand greifbarer Beispiele vor: Das Design Thinking - ein Prozess, der es Unternehmen ermöglicht immer wieder neue Ideen zu entwickeln und zu implementieren, im Kern laut Lokitz aber nichts anderes bedeutet, als „der Wille zum Experimentieren“.

 

Eine weitere Methode wurde uns von Tom Conger vom Institute for the Future nähergebracht: Das Foresight Thinking. Dabei geht darum, das richtige Mindset und die richtigen Tools anzuwenden um zukünftige Trends zu erkennen oder gar zu setzen.

 

In den folgenden Tagen hatten wir dann die Gelegenheit die Start-up Szene im Silicon Valley in all ihren Aspekten zu erkunden. So sprachen wir mit Investoren, Akzeleratoren und Inkubatoren, mit neu gegründeten Start-ups und mit solchen, die sich schon etablieren konnten. Die Vorarlberger Gründer von Crate.io, einer Open-Source-Datenbank-Lösung, arbeiten abwechselnd aus Europa und aus dem Silicon Valley. Sie erzählten uns wie wichtig es ist, dass das ganze Team klare gemeinsame Ziele vor Augen hat – langfristige als auch kurzfristige. Ein weiteres spannendes Start-up wurde uns bei dem Inkubator 500 Startups vorgestellt. Dabei handelt es sich um GridCure, welche durch Big Data Analysen zukünftige Stromausfälle und sonstige Störungen im Elektrizitätsnetz prognostizieren können. Auch die Singularity University auf dem NASA Ames Research Park hat ein Inkubator-Programm, an dem Beispielsweise das Start-up Be-novative teilnimmt. Die ungarische Gründerin und Psychologin will Innovation fördern, indem sie den kreativen Prozess in Unternehmen vereinfacht. Sie glaubt, dass viele Ideen von Mitarbeitern gar nie ausgesprochen werden, da der Druck von Vorgesetzten und Kollegen zu hoch ist. Deshalb bietet sie mit Be-novative eine Kollaborationsplattform an, die anonymes Brainstorming ermöglicht.

 

Die andere Seite des Gründens, nämlich die Finanzierung, wurde uns von Erik Bovee vorgestellt, der Investor beim Venture Capital Fond Speedinvest ist. Speedinvest investiert Großteiles in der Seed-Runde, also meist die erste Investitionsrunde für die Gründer, nachdem diese einen Prototyp entwickelt haben und auf dem Markt erste Erfolge erzielen konnten. Dabei spezialisieren sich vor allem auf europäische Start-ups. Laut Bovee ist der Hauptgrund warum in diesen Regionen trotz sehr viel Potential und Talent so viel weniger Start-ups entstehen als im Silicon Valley der Mangel an vorhandenem Investment Kapital. Des Weiteren würden europäische Investoren oft sehr hohe Anteile am Unternehmen für ihr Investment verlangen, was die Motivation der Gründer drückt und spätere Investitionsrunden erschwert.  

 

Zusätzlich besuchten wir auch noch Museen und Ausstellungen wie die Autodesk Gallery. Hier durften wir in einer Ausstellung entdecken, wie Designer und Architekten neue Technologien wie zum Beispiel 3D-Drucker verwenden. Dabei wurde auch verdeutlicht, dass durch die Nutzung von Artificial Intelligence auch ganz simple Objekte wie ein Stuhl auf ganze neue Arten entworfen werden können, die zwar immer noch die gleichen Funktionen erfüllen, aber in ihrem Material- oder Platzverbrauch viel effizienter sind.

 

Bei einer Silicon Valley Reise darf natürlich auch ein Besuch des Stanford Campus nicht fehlen. Die renommierte Universität hat schon viele bekannte Gründer ausgebildet, so zum Beispiel auch die Google Gründer Larry Page und Sergey Brin, und auch heute spielen die Studenten und Absolventen von Stanford eine wichtige Rolle im Silicon Valley. Ein Thema, welches sich aber wie ein roter Faden durch die ganze Woche zog und zurzeit auch ganz Silicon Valley zu beschäftigen scheint sind selbstfahrende Autos. Verschiedene Firmen, wie auch Tesla oder Google, forschen zurzeit intensiv und auf den Straßen um Palo Alto lassen sich einige von solchen Testfahrzeugen finden.

 

Unser Besuch im Silicon Valley war sehr vielseitig, lehrreich und vor allem aber inspirierend. Durch das Entdecken vom autonomen Fahren und das Verstehen, wozu 3D-Drucker und Artificial Intelligence im Stande sind, wurde uns ein Einblick in unsere nahe Zukunft gewährt. Außerdem war es spannend zu sehen, dass es einige Dinge gibt, die für alle Start-ups unerlässlich sind auf dem Weg zum Erfolg, egal wie unterschiedlich ihre Produkte oder ihre Dienstleistungen sind. So reicht es nicht nur die beste Idee oder das beste Produkt zu haben, sondern man braucht das richtige Team, welches die eigene Vision teilt, einen engen Kontakt zum Kunden, um fortlaufendes Feedback sicherzustellen, die Bereitschaft Pläne zu überarbeiten und wenn notwendig auch mal zu verwerfen und auf lange Sicht auf jeden Fall viel Ausdauer. Auch etablierte Unternehmen können sich sicherlich etwas von den Arbeitsweisen von erfolgreichen Start-ups abschauen und das richtige Mindset unter den Mitarbeitern schaffen, um Innovation zu fördern.