Vorletzte Woche fand unser Consulting Campus – eine dreitägige Ausbildung für Berater – erstmals digital statt. Ursprünglich sollte dieses Training mit drei Präsenztrainingstagen in München durchgeführt werden. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen haben wir jedoch kurzfristig gemeinsam mit dem Auftraggeber beschlossen, auf eine digitale Variante des Campus auszuweichen. Innerhalb eines einzigen Tages haben wir dieses Training komplett digitalisiert und konnten durch den Einsatz von vielen interaktiven Elementen bei den Teilnehmern punkten.

Wie bereits angekündigt wollen wir unsere „Hochs und Tiefs“, die wir bei der Vorbereitung und Durchführung erlebt haben, mit euch teilen. Wir haben dazu den Trainern Juliane Marold und Bernd Postai sowie Mario Moschen, der sich um die technischen Aspekte kümmerte, ein paar Fragen dazu gestellt, was bei der Vorbereitung und Durchführung eines digitalen Trainings zu beachten ist und was für sie die größten Herausforderungen und Chancen sind.

Juliane Marold – Trainerin

Juliane, du warst maßgeblich für die Durchführung und Moderation des digitalen Campus verantwortlich. Was sind die größten Unterschiede im Vergleich zu einem Präsenztraining?

„Durch die entstehende Distanz muss zu Beginn mehr Zeit in den Beziehungsaufbau investiert werden. Das, was bei einem Präsenztraining in den Pausen oder ersten Sekunden des Kennenlernens passiert, muss bei einem digitalen Training bewusster in die Agenda aufgenommen werden. Weiters ist die fehlende Interaktion mit den Teilnehmern eine große Umstellung. Das Feedback, welches man normalerweise über die Körpersprache der Teilnehmer, aber auch verbal sehr viel direkter bekommt, entfällt Großteils. Für den Moderator kommt zudem der Umgang mit der Technik hinzu. Das benötigte Know-how und die Übung zu den eingesetzten Tools sollte nicht unterschätzt werden, da man ansonsten sehr schnell abgelenkt wirkt. Ein zusätzlicher Punkt ist hier die Wirkung der eigenen Person über digitale Kanäle, welche sich von persönlichen Begegnungen unterscheidet – das beeinflusst sowohl die Teilnehmer als auch die Moderatoren selbst.“

Was würdest du jemandem empfehlen, der selbst ein digitales Training durchführen möchte?

„Basis der Überlegungen bildet die Perspektivübernahme in Richtung des Lernenden. Wir möchten auch digital ein möglichst positives Lernerlebnis schaffen, damit Inhalte besser in Erinnerung bleiben (Learning Experience). Zusätzlich haben wir den Ablauf an das neue Setting angepasst: Kleinere Lerneinheiten, sogenannte „Learning Nuggets“, mehr Pausen, ein eigener Timeslot zu Beginn für den „Check-In“ und das Kennenlernen der Teilnehmer. Die Auswahl eines Tools haben wir auf der Basis der Anforderungen des Trainings gemacht. Für unsere Trainings spielen immer interaktive Elemente (Ausfüllen von Templates, Teilnahme an Live-Umfragen, Erstellung eigener Videos, …) eine große Rolle. Teilnehmer werden optimal eingebunden und der Transfer in die eigene Anwendung wird erleichtert. Um eine entsprechende Reflexion der gemachten Erfahrungen zu gewährleisten, wechseln wir gern zwischen unterschiedlichen Settings: So beginnen wir meist im Plenum und wechseln dann in Gruppenräume beziehungsweise vergeben individuelle Arbeitsaufträge.

Die Vorbereitung spielt ebenfalls eine große Rolle. Neben einer Schulung der technischen Umgebung gilt es gemeinsame „Spielregeln“ festzulegen. Jeder Teilnehmer gestaltet seine Arbeitsumgebung während der Durchführung weitgehend selbst. Hier kann ein kurzes Briefing Abhilfe helfen: Wie vermeide ich Ablenkungen? Was brauche ich an Ausstattung? Wann plane ich die Lern- und Pausenzeiten in meinen Tagesablauf bestmöglich ein? Usw.“

Was waren deine größten Herausforderungen?

„Wir hatten bei der Durchführung des digitalen Campus leider gleich zu Beginn technische Probleme. Durch die aktuelle Entwicklung waren die Netze bereits sehr belastet, da viele aus dem Homeoffice arbeiten. Dies hat dann zu einem kurzfristigen lokalen Ausfall des Internets geführt. Zum Glück haben wir ein zweites WLAN-Netz, auf das wir ausweichen konnten. Ohne einen technischen Support an dieser Stelle, wäre eine Unterbrechung nicht vermeidbar gewesen.“

Bernd Postai – Trainer

Bernd, du warst neben Juliane als Referent für einen Teil der Durchführung verantwortlich. Was ist aus deiner Sicht bei der Moderation eines digitalen Trainings besonders zu beachten?

„Grundsätzlich ist es hier umso wichtiger, die Teilnehmer entsprechend einzubinden und mitzunehmen. Im Gegensatz zu einem Präsenztraining traut man sich viel weniger seine Meinung kundzutun. Hier ist der Moderator gefragt, der aktiv dafür Sorge tragen muss, dass jeder entsprechend eingebunden wird. Aus Moderationssicht hilft zudem definitiv eine gute technische und organisatorische Vorbereitung: Man sollte in einem ruhigen Raum mit großem Monitor sitzen, um alle Teilnehmer und Inhalte im Blick zu haben. Zudem sollte man vor Beginn einen Technikcheck durchführen, damit diese später nicht die Aufmerksamkeit des Referenten mehr bindet als das, was er inhaltlich transportieren will. Unsere Erfahrung hat auch gezeigt, dass digitale Trainings eine höhere Aufmerksamkeit erfordern, weshalb wir maximal einen halben Tag pro Modul empfehlen.“

Welche Chancen bietet denn ein digitales Training im Vergleich zu einem Präsenztraining?

„Da gibt es ein paar ganz offensichtliche: Grundsätzlich erlaubt die digitale Durchführung eine flexiblere Zeiteinteilung und Teilnahme, mehr Arbeitszeit durch entfallende An- und Abreise, höhere Kosteneffizienz und eine Verringerung der CO2-Emissionen. Für uns kommt zudem noch ein weiterer Vorteil hinzu: Die digitale Durchführung eines Trainings erlaubt es, eine größere internationale Reichweite zu erzielen. Davon profitieren schlussendlich auch die Teilnehmer, die dadurch neue Gesprächspartner finden und ihr Netzwerk erweitern können. Und das Medium selbst bietet Potenziale, die wir noch besser nutzen können. Ein Beispiel sind Befragungen beziehungsweise Umfragen, die in den Prozess eingebunden werden können. Aber auch kleine Tests, die sofort ausgewertet und deren Ergebnisse entsprechend berücksichtigt werden können. Ferner kann man verstärkt auch Sequenzen zum „programmierten Lernen“ einbauen. Man kann auch noch viel weiter gehen – zum Beispiel in Richtung der Einbeziehung der Teilnehmer, sodass wir gegebenenfalls tatsächlich in eine neue Trainings- und Lernära eintreten können.“

Mario Moschen – technischer Support

Mario, du warst für die technische Vorbereitung und Betreuung des digitalen Campus verantwortlich. Welches Tool wurde gewählt und warum?

„Wir haben uns im Rahmen der Evaluation für Adobe Connect entschieden. Wir haben uns dabei angesehen, welche Funktionen für das Training benötigt werden, wie viele Personen teilnehmen und mit welcher Zielgruppe wir arbeiten. Dies haben wir dann mit unserem Collaboration-Rad abgeglichen und darauf basierend eine Entscheidung gefällt. Im Falle des digitalen Campus war eine der Hauptanforderungen, dass wir das Training möglichst interaktiv gestalten wollten. Hier bietet Adobe Connect eine Vielzahl an Möglichkeiten, unter anderem ein Whiteboard, Gruppenräume, Video- und Textchat, Screen Sharing, vorgefertigte Bildschirmtemplates, File Sharing (auch durch Teilnehmer), verschiedene Rechteebenen und Umfragen. Ein weiteres ausschlaggebendes Feature ist die Möglichkeit, dass ein weiterer Mitarbeiter den Moderator direkt während des Trainings bei der Administration unterstützen kann. Durch die kurzfristige Umstellung des Trainings war zudem eine schnelle und unkomplizierte Einrichtung Teil unserer Anforderungen. Da Adobe Connect als SaaS läuft sind keine internen Ressourcen notwendig, was den Initialaufwand äußerst gering hält.“

Welche Herausforderungen brachte die Vorbereitung und Durchführung des digitalen Campus mit sich?

„Wir haben uns in den letzten Jahren ja bereits immer wieder mit dem Thema e-Learning auseinandergesetzt und verschiedene Webinare, beispielsweise zum Thema „ERP-Projekte erfolgreich umsetzen“, durchgeführt. Aus unserer Erfahrung können wir sagen, dass eine alleinige Durchführung durch den Moderator nicht beziehungsweise nur mit größeren Implikationen möglich ist. Für einen reibungslosen Ablauf ist eine dauerhafte technische Unterstützung notwendig. Ansonsten ist der Moderator mehr mit technischen/ organisatorischen Aufgaben (Hochladen von Dokumenten, Verteilen der Teilnehmer auf Gruppenräume, Erstellen von Umfragen und Notizen, …) als mit der Vermittlung von Inhalten beschäftigt.

Im konkreten Fall des digitalen Campus ergaben sich konkret zwei Herausforderungen: Zum einen die kurzfristige Implementierung der Software, zum anderen die Migration des Trainingskonzepts basierend auf hoher Interaktivität mit und zwischen den Teilnehmern in ein digitales Setting. Ich denke, beides ist uns sehr gut gelungen.“

Was ist bei der Vorbereitung besonders zu beachten?

„Für eine erfolgreiche Durchführung sind sowohl auf Moderations- als auch Teilnehmerseite einige Dinge zu beachten: Man sollte eine gute Datenverbindung haben und die Ton- und Bildqualität durch ein geeignetes Mikrofon und Kamera sicherstellen. Der Moderator sollte zudem benötigte Dokumente und Unterlagen idealweise bereits im Vorfeld bereitstellen, um die Teilnehmer nicht während des Trainings damit abzulenken. Weiters sind klare Instruktionen durch den Moderator bezüglich der Handhabung des Tools notwendig, um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen.“

Kontakt.

Bei Fragen zum Thema e-Learning stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.


Dr. Juliane Marold
Management Consultant.

+43 5523 69 175